2. Sonntag im Jahreskreis B

Dieser Sonntag könnten wir sehr gut “Berufungssonntag” nennen. Sowohl die erste Lesung als auch das Evangelium sind Geschichten von Berufung und Antwort. Die Episode der ersten Lesung ist gut beschrieben als “der Ruf des Samuel“.

Dreimal hört Samuel den Ruf Gottes, denkt aber, es sei Eli (ein Tempelpriester) und geht zu ihm. Eli erkennt schließlich, dass es Gott ist, der Samuel ruft, und schlägt ihm vor, das nächste Mal, wenn er die Stimme hört, zu sagen: “Sprich, Herr, denn dein Knecht hört dich.”

Die Lesung endet mit dem Gedanken, dass Gott mit Samuel war und dass Samuel in Namen Gottes sprach.

So wie Gott Samuel ruft und Eli den Weg zeigt, so ruft Jesus Andreas und die anderen Jünger und Johannes der Täufer zeigt ihnen den Weg. Andreas antwortet (folgt) und geht, um Jesus zu “sehen” und bei ihm zu “wohnen“.

Am nächsten Tag ruft er Petrus, und sie gehen beide, um Jesus zu “sehen” und bei ihm zu “wohnen”. Andreas’ Begegnung mit Jesus verwandelt ihn sowohl in einen Jünger als auch in einen Verkünder.

Die Begegnung des Petrus mit Jesus (der zu ihm ging, um Jesus zu “sehen”) verwandelt ihn in den “Stein”, das “Fundament” und den “Hirten” der Herde.

Mit diesen beiden Abschnitten ruft die Kirche uns auf über unsere Berufung nachzudenken, um Jesus zu sehen und “bei ihm zu wohnen” und Verkünder des Evangeliums und Hirten in unserer Zeit zu werden.

Christen sind zu einem “reifen” Glauben an Jesus berufen, zu einer lebendigen Beziehung, die nicht von Regeln, Drohungen oder Angst abhängt, sondern nur von der Liebe motiviert ist.

Es ist keine passive Nachfolge, zu der wir aufgerufen sind. Es geht darum, bei ihm zu wohnen, sein Zuhause zu unserem Zuhause zu machen, unser Zuhause zu seinem Zuhause zu machen. Es geht darum, ihm in unseren Herzen und in unserem Leben Platz zu machen, zur Wohnung Gottes und zur Stimme Christi zu werden.

 Somit werden wir ein lebendiges Evangelium der Liebe Gottes.