Pfingsten

DER GEIST DES HERRN ERFÜLLT DEN ERDKREIS

Johannesevangelium 20,19-23

 

Schon im Alten Testament heißt es, der Geist des Herrn erfülle den Erdkreis, in ihm habe alles Bestand, nichts bleibe verborgen vor ihm (vgl. Weisheit 1,7). Der Geist des Herrn, das ist der Geist der Weisheit, der Toleranz, der Geduld, der Hilfsbereitschaft, der Liebe.

Früher beherrschten Ängste die Menschen; früher nagten Zweifel an ihren Herzen; früher trauten sie weder sich noch den andern. Jetzt, mit der Mie des Gottesgeistes, geraten sie »außer sich vor Staunen«. 49 Tage lang hatten die Jünger einmütig im Gebet verharrt. 49 Tage lang hatten sie gehofft und gewartet. Nun war das Brausen Gottes über sie gekommen. Nun wurden »alle vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen eingab« (Apostelgeschichte 2,4).

In Jerusalem hatten sich »Männer aus allen Völkern unter dem Himmel« versammelt. Als sie den Geistes-Sturm vernahmen, waren sie bestürzt, »denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber« – sie alle hörten sie »in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden« (Apostelgeschichte 2,9ff.).

Das muss in der Tat gewaltiges Aufsehen erregt haben! Es war ein geistiges Erdbeben, ein spiritueller Vulkanausbruch. Ein Sprachenwunder sondergleichen, das auch für die junge, sich soeben erst bildende Christengemeinde von Jerusalem etwas Augergewöhnliches bedeutete. Vielleicht sogar der letzte Anstoß, endlich die sicheren Gemächer zu verlassen und die ihnen überlassene Frohbotschaft voller Freimut aller Welt zu verkünden.

Die von Gottes Geist Erfüllten waren jetzt voller Elan, voller Überzeugungskraft, voller Begeisterung für die Sache Gottes. Bis vor kurzem noch völlig verängstigte und im öffentlichen Auftreten ungeschickte, weil ungeübte Redner, legten sie jetzt freimütig Zeugnis ab für ihren Herrn. Genau genommen war aber das Wunder des ersten Pfingstfestes ein Wunder der Gemeinschaft: Jetzt fingen Menschen an, sich zu fragen, was sie füreinander tun, wie sie einander helfen könnten? Sie begriffen erstmals, dass Pfingsten heißt, »sich der Leben spendenden göttlichen Hauchung öffnen durch das Hören und Mitvollbringen des betenden und kündenden Wortes der Kirche, die Gott Dank sagt und Jesu Wort weitersagt« (HEINRICH SPAEMANN).

Pfingsten heißt, den vom Herrn verheißenen Heiligen Geist wahrnehmen, empfangen und weitergeben. Wir alle sind aufgerufen, Gottes Geist, der am Anfang der Kirche so mächtig wehte, in uns wirken zu lassen, um dann diesen Aufbruch der Liebe Gottes in uns nach draußen fortzuführen und weiterzutragen.

Wer Pfingsten als Aufbruch erlebt, für den wird es zum Fest der Freude und der Hoffnung. Er wird nicht anders können, auch andere teilhaben zu lassen an seinem Glück. Solche Freude und solches Glück mögen immer wieder den Erdkreis erfüllen – und alle, die dem Frieden dienen und der Versöhnung unter den Menschen und Völkern.

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Autore: Bonassi Orazio

Nato a Rezzato in Provincia di Brescia il 27.maggio 1941 Cittadino Tedesco e appartenente al Clero della arcidiocesi di Monaco di Baviera. Ordinato Sacerdote a Brescia il 25 giugno 1966. Residente a Kammlach.