Pastoralkonzept Pfr. Bonassi

PASTORALKONZEPT FÜR MEINE PFARREIEN (PUCHHEIM UND OBERHACHING)

Titel: Evangelisierung durch Begegnung

„Duc in altum“ mit diesen Worten aus dem Evangelium hat der Papst Johannes Paul II. die ganze Christenheit eingeladen, mit voller Hoffnung und Offenheit, in das dritte Jahrtausend der christlichen Ära einzutreten.

Hoffnung, Liebe und „Cura“ (=Achtsamkeit) sind die drei wichtigsten Merkmale der „neuen Evangelisierung“.

Ich nenne Evangelisierung die erste Verkündigung des Evangeliums denen die nicht glauben, oder unsicher sind in ihrem Glauben.

Das geschieht in den Predigten, in der Katechese, in der Liturgie.

Nicht nur die Personen, auch die Kultur soll von dieser Botschaft imprägniert werden.

Evangelisierung bedeutet nicht unbedingt, alle Menschen zu Christen zu machen oder alle Christen wieder zur Kirche am Sonntag zu zwingen. Jesus hat die frohe Botschaft auch in Nazareth, in Chorazin und Bethsaida gut verkündet, wo sein Wort nicht aufgenommen worden ist.

  • Mk 6,6: „Und er wunderte sich über ihren Unglauben“ und

  • Lk 10,13. „Weh dir, Chorazin! Weh dir, Bethsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind – man hätte dort in Sack und Asche Buße getan

Evangelisierung bedeutet: Die frohe Botschaft mit Taten und Worten zu verkünden und diese Verkündigung so zu aktualisieren, dass es für alle, die guten Willens sind, möglich wird, die frohe Botschaft in ihren verschiedenen Formen wahrzunehmen und vertieft anzunehmen.

Man kann in verschiedenen Weisen das Evangelium verkünden:

1- Durch Verkündigung: wie Jesus (Mk 1,14-15):

„Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehr um, und glaubt an das Evangelium!“.

Das geschieht nicht nur in der Öffentlichkeit, in den Predigten, Vorträgen, sondern auch in geschwisterlichen Gesprächen; s. Jesus und die Samariterin (Joh 4) oder mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus (Lk 24)

2- Durch Einberufung: Mt 22,9:

„Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein“. Die Menschen werden also persönlich eingeladen.

3- Durch Anziehungskraft: S. Apg 5,16:

„Auch aus den Nachbarstädten Jerusalems strömten die Leute zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit. Und alle wurden geheilt“.

 4- Durch Ausstrahlung: Wie eine Lampe in Mt 4,16:

Das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen

und 1 Ps 2,12: „Führt unter den Heiden ein rechtschaffenes Leben, damit sie, die euch jetzt als Übeltäter verleumden, durch eure guten Taten zur Einsicht kommen und Gott preisen am Tag der Heimsuchung“.

5- Durch Ansteckung: Von der Lampe zur Lampe, vom Feuer zum Feuer: Lk 12,49:

„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“

und in 1 Pt 3,1-2: durch unser Verhalten:

„Wie ehrfürchtig und rein ihr lebt“.

 6- Durch Durchsäuerung: wie Sauerteig in Mt 13,33: „Und er erzählte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, der eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war“.

Das gilt besonders für die Evangelisierung der Kulturen.

Alle diese Methoden integrieren sich gegenseitig.

In unserer Gemeinde„Wie könnte diese Evangelisierung in unserer Gemeinde stattfinden?“

Eine wichtige Antwort ist „Begegnung“. d.h. gegenseitiges Vertrauen und ja zueinander, ein Vertrauen, das im Ja Gottes zu jedem einzelnen Menschen ermöglicht und gehalten ist. Und dieser Wunsch soll im geschwisterlichen Dienst zueinander geschehen, um miteinander, dem pessimistischen Zeitgeist zuwider, zu neuer Blüte zu gedeihen.

Es entsteht somit so etwas wie eine Partnerschaft zwischen uns.

Das Entscheidende, damit eine Beziehung glückt, sind nicht die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder persönlichen Faktoren.

Viel wichtiger ist,

  • wie wir Partner miteinander reden,

  • wie wir wichtige Dinge besprechen und

  • wie wir Konflikte angehen.

Also weniger die Probleme selbst, die auf uns zukommen, gefährden letztlich unserer Beziehung, sondern die Art und Weise, wie wir damit umgehen.

Und dieser Umgang kann eingeübt werden.

Wir sollen den Menschen begegnen

und die Probleme behandeln

und nicht umgekehrt.

 Wir sollen lernen:

  • gegenseitig uns klar und eindeutig auszudrücken,

  • richtig hinhören lernen,

  • unserer Gefühle und Wünsche bei uns wahrzunehmen

  • und dem anderen verständlich zu machen,

  • Probleme und Meinungsverschiedenheiten konstruktiv lösen zu lernen.

Wichtig ist, sich des Unterschieds zwischen wechselbaren Meinungen und bleibenden Überzeugungen bewusst zu sein.

In diesem Prozess soll uns klar sein, dass wir die eigenen Kompetenzen und Aufgaben der anderen respektieren sollen. Sie sind in den verschiedenen Satzungen (die Satzungen des Pfarrgemeinderates, der Kirchenverwaltung und des Pfarrverbandsrates) beinhaltet.

Die Christen sind in der Nachfolge Christi berufen worden.

Nachfolge verlangt Treue zu eigener Berufung und Treue im Glauben an die Wahrheit.

Und Jesus Christus hat sich selbst als Weg, Wahrheit und Leben vorgestellt.

In „Beziehung“ haben wir eine Antwort auf die Neuevangelisierung gefunden.

Eine weitere Antwort ist „Cura“ (Achtsamkeit).

Schon in meiner Einführungsansprache habe ich dieses Thema behandelt. In diesem Pastoralkonzept sei deshalb noch einmal übernommen.

1- Treffend sagt der lateinische Dichter Horaz (65-8 v. Chr.): „Achtsamkeit ist der ständige Begleiter des Menschen“.

Sie zeigt sich in

  • der Liebe zu Dingen und Menschen wie auch in ihren Töchtern Verantwortung und Mitempfinden.

  • Achtsamkeit beschreibt und umfasst genau die Bedeutung von „Cura“ „“Sorge um…“.

  • Daraus resultiert der Begriff „Seelsorge“:Achtsamkeit um die Seele, um die Menschen.

  • Als solcher bin ich zu Ihnen gekommen, um im Auftrag des Bischofs

  • die Gemeinde zu leiten,

  • die Eucharistie und die Sakramente zu spenden

  • und mit Ihnen ein Stück Weg zu gehen.

2-      „Liebe zum Détail“ soll nicht nur der Werbung überlassen werden, sondern es soll alles prägen, was wir in unserer Gemeinde bewirken wollen.

Die Lebendigkeit einer Gemeinde kann man auch darin messen, nicht wie viel wir tun, sondern wie wir es tun:

  • mit Engagement,

  • zusammen (συνεργια)

  • und um die Gemeinschaft zu bauen.

3-      Sorgsame Achtsamkeit ist die erste ethische Grundhaltung. Sie vermag

  • das Leben zu schützen,

  • die Rechte nicht nur der Menschen, sondern auch aller anderen Geschöpfe zu gewährleisten

  • und ein Zusammenleben in

    • Solidarität,

    • Verständnis,

    • Mit-leiden = Sympathie

    • und Liebe zu ermöglichen.

4-      Vom Karl Rahner stammt der Satz: „Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, sonst nicht.“

  • Die Mystik verlangt nach einer Spiritualität, die eine Haltung vorweist, in der sich der Mensch mit dem Ganzen verbunden fühlt und den roten Faden spürt, der alle Dinge verbindet und einander rückbindet, damit sie einen Kosmos bilden.

  • Mystik ist die Form des Seins und des Fühlens, mit der der Mensch das namenlose Geheimnis erfahrungsmäßig annimmt und verinnerlicht und zulässt, dass es die ganze Existenz durchdringt.

Nicht das Wissen von Gott, sondern das Gott-Fühlen macht den Mystiker aus. Mystik und Spiritualität äußern sich institutionell in den Religionen der Welt.  Religionen operieren mit Werten und verkünden unablässig den höchsten Wert.

Ohne Spiritualität und Mystik

  • würde Ethik zu einem kalten Katalog von Vorschriften verkommen, und die verschiedenen Moralkodizes würden zu Prozessen gesellschaftlicher Kontrolle und kultureller Beherrschung entarten.

  • Mystik und Spiritualität sorgen dafür, dass Ethik

  • mehr mit Weisheit zu tun hat als mit Vernunft,

  • mehr mit gut leben als mit gut urteilen,

  • mehr mit Tugenden als mit Ideen.

Und all das klingt wie Aufforderungen zur Pflege einer Kultur

  • der Ehrfurcht,

  • des Dialogs,

  • der Synergie,

  • der aktiven Gewaltfreiheit und des Friedens.

5-      Was ich nun gedeutet habe will die Art und Weise zeigen, mit der ich bei Ihnen als Seelsorger wirken möchte.

Ein Programm brauche ich selbst nicht zu entwerfen, denn ich habe es schon durch die Ikone des Kreuzes als Mysterium Fidei empfangen.

Und ich werde nichts Neues tun als die Lehre der Kirche und die Frohe Botschaft zu verkünden, genauso wie die Priester, die vor mir da gewirkt haben, auch getan haben.

6-      Hier sei deshalb ein herzliches Dankeschön an meine Vorgänger ausgesprochen. Wir Priester sollen nicht Herrscher, sondern Diener der Schwestern und Brüder sein und in Dienen erfahren wir die Freude des Herrn in der Gemeinschaft.

7-      Ich mag diese Überlegungen mit einem ökumenischen Gedanken schließen. Ich habe mich grundsätzlich der Ökumene verschieben. Es wird keine Kirche der Zukunft geben ohne Ökumene.

Ut unum sint ist auch für mich verpflichtend und bereitet mir ein Gefühl der Freude.

Danken wir Gott gemeinsam, dass wir, mit dem Papst, mit dem Bischof und mit der Kirche vor Ort diesen Weg gehen dürfen.

Pfr. i.R. Dr.Orazio Bonassi

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Autore: Bonassi Orazio

Nato a Rezzato in Provincia di Brescia il 27.maggio 1941 Cittadino Tedesco e appartenente al Clero della arcidiocesi di Monaco di Baviera. Ordinato Sacerdote a Brescia il 25 giugno 1966. Residente a Kammlach.