Evangelium bei der Prozession am Palmsonntag

  1. Der Einzug des Herrn in Jerusalem (21,1-11)

 

Der Einzug des Herrn in Jerusalem und die Reinigung des Tempels, wie sie in Mt 21,1-17 dargestellt werden, haben mit vier alttestamentlichen Zitaten zu tun:

1. Der König

2. Die Volksmengen

3. Die Händler

4. Die Kinder; In den Versen 18-22 findet sich keine Frucht in Jerusalem, sondern nur in Bethanien (V. 17), das »Haus der Feigen (oder: Datteln)« bedeutet, was einen Gegensatz bildet zum unfruchtbaren Feigenbaum auf dem Weg. Wir begegnen hier der Autorität des Herrn im Verfluchen.

 In den Versen 23-32 finden sich keine Frucht bei den Ungehorsamen, sondern nur bei den Bußfertigen. Wir begegnen hier der Autorität des Herrn im Reinigen, welche es den Zöllnern und Huren ermöglicht, ins Reich einzugehen.

In den Versen 33-46 findet sich keine Frucht bei den Juden (den bösen Weingärtnern), hingegen bei einer »Nation«, welche dessen Früchte bringen wird. Hier begegnen wir der Autorität des Herrn im Erwählen.

 In Kapitel 22,1-14 wird dieses Thema weitergeführt, indem wir dort der Autorität des Herrn im Kleiden begegnen. Man kann die genannten Abschnitte auch unter einem anderen Gesichtspunkt betrachten. Das Gleichnis der Verse 28-32 spricht von Buße; einige Juden finden keinen Einlass, während andere eingeführt werden.

Im Gleichnis von Kap. 22,1-14 erfahren wir schließlich, dass es Gnade ist, die die Heiden einführte.

Vers 1. Der Herr hatte zuvor gesagt: »Es geht nicht an, dass ein Prophet außerhalb Jerusalems umkomme«, daher es nicht anders sein konnte, als dass sie zu Beginn der letzten Woche »Jerusalem nahten«. Die Jünger hätten wissen müssen, was an diesem Ort Seines zuvor-verordneten Geschicks geschehen musste, da Er ihnen doch erst kurz zuvor gesagt hatte, dass sie nach Jerusalem hinaufzögen, wo Er gekreuzigt werden müsse. Der Vers zeigt, dass der Herr »nach Bethphage« kam, einem Dorf, dessen Namen »Haus der Frühfeigen« bedeutet, während Bethanien »Haus der Feigen« oder »Datteln« bedeutet. Diese beiden Dörfer am Abhang des Ölberges bilden einen scharfen Gegensatz zum unfruchtbaren Feigenbaum auf dem Wege nach Jerusalem (Mt 21,19). Dass dies zwei verschiedene Dörfer sind, zeigt Lk 19,29, wo beide erwähnt werden. Wie passend, dass der König auf dem Weg über den Ölberg in Seine Stadt einzog. Dieser Berg hat seine Bedeutung nicht nur wegen seiner Vergangenheit, sondern auch wegen seiner prophetischen Zukunft. Es war ein Ort des Weinens gewesen, als König David verworfen wurde, und ein Ort des Götzendienstes, als sich das Herz Salomos den Götzen zuneigte. Sodann ist es der Ort der Himmelfahrt und der verheißenen Wiederkehr des Herrn und Seiner Rückkehr in Herrlichkeit nach Jerusalem. Der Herr wusste all das, als Er sich zum letzten Mal demütig als der König darstellte, indem Er vom Ölberg her in die Stadt einritt. Jetzt wartet Er auf den Tag Seiner Macht, da Er als König erscheinen wird, obwohl Er bereits als König eingesetzt ist auf Zion, Gottes heiligem Berg.

Vv. 2-3 Indem der Herr zwei Jünger in das Dorf sandte, hielt Er sich wiederum an das Prinzip, stets zwei und zwei auszusenden. Der Herr lebte in der Gegenwart im Licht der Kenntnis zukünftiger Ereignisse; siehe Joh 13,1. Die Eselin und das Füllen waren eindeutig zwei verschiedene Tiere, wie das in Vers 3 verwendete Wort »ihrer« zeigt. Markus spricht nur vom Füllen, wie auch Lukas. Johannes spricht von einem »jungen Esel«, das ist ein »Eselsfüllen«. Der Herr saß eindeutig auf dem Füllen und nicht auf der Eselin, weshalb man Mt 21,5 nach einigen, wie folgt, verstehen sollte: »sitzend auf einer Eselin, und zwar auf einem Eselsfüllen, eines Lasttiers Jungen«.

Es war die Pflicht der Eselin, ihrem Jungen zu folgen, welches den König trug. In Friedenszeiten war der Esel das Reittier der Richter und Könige, während man auf dem Pferd nur in den Krieg zog. Der Herr unterwies die Jünger, Ihn als »den Herrn« zu bekennen. Der Titel »Herr« spricht von Seiner Beziehung zu einem Jünger, der sich dem göttlichen Willen unterworfen hat. Man vergleiche damit den Titel »Meister« oder »Lehrer« in Mt 26,18.

Vv. 4-5 Mit diesem alttestamentlichen Zitat macht Matthäus einmal mehr klar, dass die Geschehnisse Erfüllungen prophetischer Worte waren. In diesem Evangelium wird mehr als zehnmal ausdrücklich bezeugt, dass sich alttestamentliche Weissagungen erfüllten. Das ganze Alte Testament kann als eine umfassende prophetische Landkarte über das Leben des Herrn auf Erden aufgefasst werden. Das Zitat ist aus zwei alttestamentlichen Weissagungen zusammengesetzt, nämlich aus Jes 62,11, wo die Aufforderung steht: »Saget der Tochter Zion«, und aus Sach 9,9, wo der Rest steht.  Die Anrede »Tochter« meint »Bewohner «. In Seinem letzten öffentlichen Wort vor Seiner Kreuzigung nannte der Herr die große Menschenansammlung »Töchter Jerusalems « (Lk 23,28). Zion steht für Gottes unvergleichliche Wege, die Er für Jerusalem bestimmt hat, Weg der wundersamen Gnade Gottes. Zion war ursprünglich der Hügel, den Herr begehrt hatte, um ewig auf ihm zu wohnen, denn dort ruhte die Bundeslade während der Regierung Davids. Bei der Einweihung des Tempels aber wurde die Lade »aus der Stadt Davids, das ist Zion« zum Berg Moria gebracht. Gleichzeitig bezeugte Salomo, dass Zion noch immer die Ruhe Gottes sei ewiglich. Das ist nicht widersprüchlich, weil Gott in Seiner Gnade von da an die ganze Stadt, den Hügel Moria, den Tempel und die Lade eingeschlossen, als Zion bezeichnete. In Offb 19,11 sehen wir den König der Könige und den Herrn der Herren, wie Er kommt, reitend auf einem weißen Pferd, um Krieg zu führen und Sein Reich aufzurichten. Danach wird Er, wie in Mt 21 dargestellt, als König des Friedens auf einem Esel kommen. An jenem Tag wird kein Kriegsross und wird keine Schlacht mehr in Jerusalem sein. Er wird dann als Priester nach der Ordnung Melchisedeks regieren, indem Er der »König der Gerechtigkeit … auch König von Salem, das ist König des Friedens« (Hebr 7,2) ist. In Joh 12,16 erfahren wir, dass die Jünger etwas erst verstanden und sich daran erinnerten, nachdem der Herr verherrlicht worden war. Mit anderen Worten: Erst das Kommen des Heiligen Geistes öffnete den Jüngern das Verständnis für den Zusammenhang zwischen dem Werk des Herrn und den alttestamentlichen Weissagungen.

 Vv. 6-8 Man breitete Kleider unter den König, als Er sich auf das Füllen setzte. Die Anwesenden hatten ein jeder sein Kleid unter den neugesalbten König gelegt . Es handelt sich um eine orientalische Art, jemandem seine Ehrerbietung zu demonstrieren. Das Volk hat Ihm in ihrer Begeisterung und Unwissenheit damit dennoch in Seinem wahren Charakter zugejubelt.

V. 9 Wir haben hier das zweite alttestamentliche Zitat dieses Abschnitts. Die Volksmengen, die ihrem König zuriefen, waren zweifelsohne andere, als jene, die später schrien: »Kreuzige ihn!«. Diese Volksmengen setzten sich aus Passahpilgern aus Galiläa, Seinen unmittelbaren Nachfolgern und Jüngern, Leuten, die von der Auferweckung des Lazarus erfahren hatten, und Kindern zusammen. Die Psalmen Ps 113-118 wurden beim Passah und beim Laubhüttenfest rezitiert. Der Ps 118 wird hier zitiert, weil er von Freude spricht, die zur Gelegenheit passte. Unwissend riefen die Menschenmengen Worte aus einem Psalm, der sowohl von Seinem Tod als auch von Seiner Auferstehung und von der Antwort des Volkes darauf spricht. Der Psalm besteht aus einer heiligen gemeinsamen Betrachtung durch den Herrn und Sein Volk nach der Auferstehung.

Das hebräische Wort »Hosannah« bedeutet »rette doch!« Das Volk zitierte aus Ps 118 die Verse 25-26, indem es sowohl Worte des Herrn als auch des Volkes gebrauchte. Der Ruf des Volkes beruhte gewiss auf Tradition, aber Gott sorgte dafür, dass der im Ruf nach Rettung ausgedrückte Wunsch durch den Tod und die Auferstehung des Herrn erfüllt wurde. Die unmittelbare Wirkung auf den Herrn war indes die, dass Er im Gedenken an ihren Untergang über Jerusalem weinte. Er wusste, dass in Jerusalem Sein Kreuz Sein Thron sein würde. Er sollte erst nach Seiner Auferstehung und Erhöhung wahren Lobpreis erhalten.

Vv. 10-11 Hier haben wir die Reaktion des Volkes. Die Stadt Jerusalem erkannte Ihn nicht, und die Volksmenge konnte in ihrer Erkenntnis nicht höher gelangen als zum Bekenntnis: »Dieser ist Jesus, der Prophet, der von Nazareth in Galiläa.« Wie mangelhaft war ihre Erkenntnis Seiner Person! In Mt 16,14 lesen wir, wie Petrus die Vermutung, der Herr sei einer der Propheten weit übertrifft, indem er bekennt, Jesus sei der Christus, »der Sohn des lebendigen Gottes«. In Joh 4,19 sagt die Frau, der Herr sei ein Prophet, später erkennt sie, dass Er der Christus ist (4,29). Der geheilte Blindgeborene sah in ihm zunächst einen Propheten (Joh 9,17), bis der Herr sich ihm als der Sohn Gottes zu erkennen gab (9,35-38). Mit anderen Worten: Ein erstes Bekenntnis wird durch die Offenbarung, die der Herr gewährt, bekräftigt und die Erkenntnis gemehrt, da der Herr will, dass der Glaubende, und sei sein Glaube noch so schwach, in der Erkenntnis Seiner Person wächst.

(Dieser Beitrag habe ich aus vv. biblischen Kommentaren zusammengestellt für die Betrachtung in der Karwoche)

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Autore: Bonassi Orazio

Nato a Rezzato in Provincia di Brescia il 27.maggio 1941 Cittadino Tedesco e appartenente al Clero della arcidiocesi di Monaco di Baviera. Ordinato Sacerdote a Brescia il 25 giugno 1966. Residente a Kammlach.