29. Sonntag im Jahreskreis B

Hier die Predigt von 29. Sonntag im Jahreskreis B.

Meine Ansprache und die Lectio divina des 29. Sonntag im Jahreskreis B

 XXIX Sonntag im Jahreskreis B:  21. Oktober 2018: – Jesaja 53,10-11 –  Hebr  4,14-16- Markus 10,35-45

Christ zu sein bedeutet nicht nur, schöne Ideen zu haben, sondern das Evangelium in den eigenen konkreten Lebenssituationen zu verkörpern.

Es reicht nicht aus, das Evangelium zu kennen, es ist notwendig, es zu leben. Und das ist ziemlich kompliziert!

Das gilt auch für die Jünger: Auf dem Weg nach Jerusalem verkündet Jesus den Zwölf dreimal seine Leidenschaft, seinen Tod und seine Auferstehung.

Und dreimal trifft er auf deren Widerstand.

Der heutige Text bringt zuerst den Widerstand von Jakobus und Johannes und dann die Empörung der anderen zehn hervor.

Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.“

Das Gebet von Jakobus und Johannes ist in Wirklichkeit das Anti-Gebet schlechthin. Sie suchen nicht den Willen Gottes, sie suchen ihren eigenen. Wenn wir nur fordern, zerstören wir das Gebet, das damit aufhört, ein Dialog zwischen zwei Freiheiten zu sein.

Wir reduzieren Gott auf ein Idol, das unsere Anforderungen erfüllen muss.

Der heilige Augustinus erinnert uns daran: Im Gebet bitten wir darum, dem heiligen Geist gegenüber fügsam zu sein. Beten bedeutet nicht, die äußerlichen Dinge magisch zu verändern, sondern die Art und Weise wie wir in den Dingen sind.

Jakobus‘ und Johannes‘ Bitte ist nicht nur Antigebet, sondern offenbart auch ihre Unreife im Leben der Gemeinschaft.

Unreife, die sich auch in den anderen zehn Jüngern zeigt, die empört über sie reagieren. Für die Zwölf ist die Gemeinschaft kein Ort des gegenseitigen Dienstes, sondern ein Ort des Karrierismus und der Wettbewerbsfähigkeit, an dem jeder den anderen für seine eigenen Ziele nutzt.

Mit seiner üblichen Geduld lässt Jesus den Widerstand, der in den Herzen der Zwölf wohnt, auftauchen und verkündet ihnen die neue Logik des Evangeliums.

Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?”: mit diesem Aufruf will Jesus das Verständnis korrigieren, das Jakobus und Johannes von ihm haben.

Der Christ ist in das Osterfest Christi, in seinen Tod und seine Auferstehung eingetaucht, dank der Taufe und der Eucharistie.

Dieses Eintauchen unterscheidet die Kirche von allen anderen weltlichen Institutionen: Die Logik, die sie beleben muss, ist nicht Macht, sondern Dienst, weil “… der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele “.

Jesus wurde als Diener geboren und so entstand aus ihm eine Dienerkirche. Aus diesem Grund lebt die Kirche eine andere Logik als die der Welt.

Deshalb sagt Jesus zu den Jüngern: “43Bei euch aber soll es nicht so sein”.

Das Evangelium verlangt nicht, dass wir die Ausübung der Macht aufgeben, sondern es lädt uns ein, die Macht aus der Sicht des Dienstes und des Gemeinwohls zu leben.

Dann werden wir das Salz der Erde und das Licht der Welt sein.

Amen

LECTIO DIVINA: 29. SONNTAG im Jahreskreis (B)

Sonntag, 21. Oktober 2018

Markus 10,35-45

 

  1. Gebet

Gott des Friedens und der Vergebung, du hast uns in Christus ein Beispiel des Dienstes gegeben, sogar bis hin zur Hingabe seines Lebens; gewähre uns allen, die Gnade zu finden, damit wir den Kelch deines Willens voll teilen und einen großzügigen und fruchtbaren gegenseitigen Dienst leben können.

  1. Lesen
  2. a) Der Kontext:

Die Episode befindet sich unmittelbar nach der dritten Ankündigung der Passion (Mk 10, 32-34). Und wie bereits bei den anderen Ankündigungen geschah, ist die Reaktion der Jünger nicht positiv: Zwei der Jünger sind um die ersten Plätze im Königreich besorgt und die anderen sind empört. Ein Zeichen für die Schwierigkeit der Jünger, in die Perspektive der schmerzhaften Absicht des Meisters einzutreten und das Geheimnis des Königreichs zu verstehen. Die beiden, die Bitten stellen – Jakobus und Johannes – sind Brüder, gehören zur ersten Gruppe der Gefährten Jesu (Mk 1, 19-20), werden Boanerghes genannt (“Söhne des Donners” Mk 3, 17). Also waren sie etwas ungestüm.

Der Text (Markus 10,35-45): 35Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.

36Er antwortete: Was soll ich für euch tun?

37Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.

38Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?

39Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

40Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.

41Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes.

42Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.

43Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,

44und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.

45Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

 

  1. Moment der Gebetsruhe: Wir lesen den Text mit Herzen, um die Gegenwart des Geheimnisses des lebendigen Gottes zu erkennen.

 

  • 4Ein paar Fragen: um die wichtigen Kerne im Text zu erfassen und zu assimilieren.
  • a) Warum dieser Ehrgeiz der Jünger, die ersten Plätze einzunehmen?
  • b) Macht die Antwort Jesu Sinn?
  • c) Was meint Jesus mit dem zu trinkenden Kelch und der zu empfangenden Taufe?
  • d) Was ist Jesu Fundament für den Zivildienst?

 

  1. Einige Leseerkenntnisse

 

“Erlaube uns, in deiner Herrlichkeit an deiner Seite rechts und links zu sitzen”: Es ist klar: Die beiden haben erhebliche Ambitionen. Der Tradition nach waren sie vielleicht Cousins Jesu, und deshalb hatten sie – nach östlichem Recht – einen besonderen Anspruch als Familienmitglieder. Auf jeden Fall können wir sehen, dass sie nichts verstanden haben, was Jesus erreichen will. Er war auf dem Weg zur Schmach des Kreuzes, und das hatten sie noch nicht verstanden. Jesu wahre Macht besteht nicht darin, Ehrenplätze zu verteilen, sondern an seinem tragischen Schicksal teilzuhaben: “Kannst du den Kelch trinken, den ich trinke?”

 

“Auch du wirst den Kelch trinken”: Der Dialog über Kelch und Taufe (Vers 38-39) ist eindeutig parallel. Aber es ist nicht klar, wie die beiden den Kelch trinken und sich taufen lassen können, wenn man nicht an das Martyrium denkt, das sie später erlitten haben (beide). Durch die beiden Bilder scheint Jesus also an seinen gewaltsamen Tod zu erinnern, den er als eine absolute Verpflichtung zur Treue zum Vater voraussagt. Die Antwort auf ihre Bitte, neben ihm zu sitzen, ist sehr ausweichend: aber sie verstehen, dass er zeigen will, dass das nicht der richtige Weg ist, um es zu bekommen.

 

“Die anderen zehn verachteten sie: Offensichtlich haben auch sie den gleichen Ehrgeiz. Dieser Vers taucht nur aus redaktionellen Gründen auf, um die beiden Episoden zu verbinden. Nun wechseln wir das Thema. Die Tatsache, dass die Empörung der anderen Jünger erwähnt wird, gründet sich wahrscheinlich auf eine bestimmte Episode. Die Jünger kommen hier nicht gut aus: und aus diesem Grund muss diese Episode wirklich authentisch sein.

 

“Die Führer der Nationen dominieren sie… aber bei euch soll nicht so sein.”

Er bezieht sich auf die politischen Führer seiner Zeit: Schließlich ist es auch der Stil aller Zeiten. Im Gegensatz dazu muss die Gemeinschaft der Jünger vom Dienst geprägt sei: Das wird durch zwei Begriffen ausgedrückt. Wir sprechen von “Diener” (diakonos) und “Sklave” (doulos). Du kannst dir nicht aussuchen, wem du dienen willst: Du sollst für allen wie ein Sklave sein.

“In der Tat, der Menschensohn….” Hier finden wir das Fundament der Gemeinschaft: dem Stil des Meisters folgend schenken wir unser Leben im Geiste des Dienens. Mehr noch, wir werden “Herrscher” durch die Gabe des Lebens und nicht durch Anspruch. Das “Lösegeld” oder die Erlösung ist schwer zu interpretieren, – wie Pater X Léon Dufour sagt. Aber wir können es gut verstehen, wenn wir die Worte betrachten, die Jesus beim letzten Abendmahl gesprochen hat. Das ganze Leben Jesu steht im Licht der “Erlösung”, der Treue bis zum Ende für die Freiheit der Menschen. Er beraubt die Freiheit, um Freiheit zu geben, um sich von der Nicht-Freiheit zu erlösen.

Das Statut der Gemeinschaft der Jünger ist also gekennzeichnet durch den Dienst, durch mangelnden Ehrgeiz, durch ein Leben, das gegeben und an die Erlösung anderer gebunden ist.

 

  1. Psalm 33 (32)

Gebet für Frieden und Gerechtigkeit

1Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn; /

für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben.

2Preist den Herrn mit der Zither, /

spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe!

3Singt ihm ein neues Lied, /

greift voll in die Saiten und jubelt laut!

4Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig, /

all sein Tun ist verlässlich.

5Er liebt Gerechtigkeit und Recht, /

die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn.

6Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel geschaffen, /

ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes.

7Wie in einem Schlauch fasst er das Wasser des Meeres, /

verschließt die Urflut in Kammern.

8Alle Welt fürchte den Herrn; /

vor ihm sollen alle beben, die den Erdkreis bewohnen.

9Denn der Herr sprach und sogleich geschah es; /

er gebot und alles war da.

10Der Herr vereitelt die Beschlüsse der Heiden, /

er macht die Pläne der Völker zunichte.

11Der Ratschluss des Herrn bleibt ewig bestehen, /

die Pläne seines Herzens überdauern die Zeiten.

12Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, /

der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat.

13Der Herr blickt herab vom Himmel, /

er sieht auf alle Menschen.

14Von seinem Thronsitz schaut er nieder /

auf alle Bewohner der Erde.

15Der ihre Herzen gebildet hat, /

er achtet auf all ihre Taten.

16Dem König hilft nicht sein starkes Heer, /

der Held rettet sich nicht durch große Stärke.

17Nichts nützen die Rosse zum Sieg, /

mit all ihrer Kraft können sie niemand retten.

18Doch das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren, /

die nach seiner Güte ausschaun;

19denn er will sie dem Tod entreißen /

und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.

20Unsre Seele hofft auf den Herrn; /

er ist für uns Schild und Hilfe.

21Ja, an ihm freut sich unser Herz, /

wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.

22Lass deine Güte über uns walten, o Herr, /

denn wir schauen aus nach dir.

 

  1. Schlussgebet

Herr, unser Gott,

lenkt die Jünger eures Sohnes von den einfachen Wegen der Popularität, der billigen Herrlichkeit ab und bringt sie auf die Straßen der Armen und Gepeinigten der Erde, damit sie wissen, wie sie in ihren Gesichtern das Gesicht des Meisters und Erlösers erkennen können.

Gib Augen, um die möglichen Wege zur Gerechtigkeit und Solidarität zu sehen; höre auf die Fragen nach Sinn und Erlösung vieler, die wie auf Knopfdruck suchen; bereichere ihr Herz mit großzügiger Treue und Zartheit und Verständnis: damit sie zu Wegbegleitern und wahren und aufrichtigen Zeugen der Herrlichkeit werden, die im auferstandenen und siegreichen Kreuz erstrahlt. Er lebt und regiert herrlich mit dir, o Vater, für immer und ewig. Amen.

 

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Autore: Bonassi Orazio

Nato a Rezzato in Provincia di Brescia il 27.maggio 1941 Cittadino Tedesco e appartenente al Clero della arcidiocesi di Monaco di Baviera. Ordinato Sacerdote a Brescia il 25 giugno 1966. Residente a Kammlach.