26. so. jahrgang b

26. Sonntag im Jahreskreis B

29. und 30. September 2018

Ansprache zum Evangelium

Mk 9, 38 – 43.45.47 – 48 – 

Die Jünger Jesu sind heute eifersüchtig. Sie können es nicht ertragen, dass außerhalb ihrer Reihen Gutes geschieht. Sie glauben, das Monopol der Dämonenaustreibung zu haben. Ähnliches hörten wir schon in der ersten Lesung. Der Diener des Moses ist völlig entsetzt, als auch andere gegen alle Erwartung vom Geist Gottes ergriffen werden.  Im Umgang mit dem Geist Gottes haben seine Jünger zu allen Zeiten noch viel dazu zu lernen. Es ist sogar dessen Eigenart, dass er uns überrascht und nicht in unser Schema passt.

Wir können dem hl. Geist nicht vorschreiben, wo er sich niederlassen soll, genauso wenig wie wir dem Wind nicht befehlen können, wo er zu wehen hat. So hat es Jesus selbst einmal ausgedrückt (Vgl. Joh 3,8).

Verfestigung und Erstarrung gehören nicht zu den Gaben des Heiligen Geistes. Vielmehr ist es der freie und offene Blick für das Gute, ganz gleich, wo es geschieht.

Als vor sechzig Jahren der Patriarch von Venedig Angelo Roncalli zum Papst gewählt wurde, entpuppte sich die Wahl als die große Überraschung. Er leitete eine völlig neue Phase der Kirchengeschichte ein. Er sah in den sogenannten säkularen Bewegungen unserer Zeit den Heiligen Geist durch die Geschichte wehen in Aufbrüchen, vor denen die Kirchenleitungen einmal gewarnt hatten: dass die Menschen eigenständig denken und über ihre Zukunft selbst entscheiden.

Sein Hauptanliegen war, dass Vertrauen unter allen Menschen dieser Erde wachse und verlässlicher und gerechter Friede einkehre.
Diese Sicht verdankte er seinem gütigen Herzen, das offen war für jeden Menschen, ob einer Katholik, Protestant, Kommunist oder Moslem war. Von ihm kann man sagen, dass er ganz und gar aus dem Geist Jesu geredet und gehandelt hat. Hier trifft er sich mit dem Versprechen Jesu an den Wasserspender oder Wasserverkäufer im Orient.  „Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen“ (Mk 9, 41).

Jesus weiß, wie wohltuend nach einer mühevollen Wanderung unter glühender Sonne ein Schluck Wasser sein kann und wie dankbar man dafür ist. Der Durst kennt keine Grenzen, auch nicht im Leben Jesu. Jesus schenkt der fremden Frau den Lohn seines Verstehens und seiner Nähe. Die bedingungslose Zuwendung Jesu den Letzten im Dorf und in der Gesellschaft gegenüber lässt uns die scharfen Worte verstehen. „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt…“.

Der Gedanke, man könnte sich an ihnen versündigen, erfasst ihn mit einem grenzenlosen Zorn. Jesus gebraucht sogar grausame Bilder, um die Tragweite solcher Handlungen herauszustellen.

Um im Geiste Jesu zu denken und zu handeln, sind nicht nur guter Wille und Begeisterung für die eigene Sache erforderlich. Entscheidend ist,

  • ob der Eifer auch erleuchtet ist
  • ob er selbstkritisch hinterfragt wird;
  • ob man eigene Zweifel und die Sicht von außen zulassen kann;
  • ob man darauf achtet, was dort an Gutem geschieht.

So erweitern wir unseren Horizont. Wenn wir Neues und Ungewohntes auf uns wirken lassen, werden wir auch dem Geist nahekommen, der weht, wo er will (Joh 3, 8)

 

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Autore: Bonassi Orazio

Nato a Rezzato in Provincia di Brescia il 27.maggio 1941 Cittadino Tedesco e appartenente al Clero della arcidiocesi di Monaco di Baviera. Ordinato Sacerdote a Brescia il 25 giugno 1966. Residente a Kammlach.